Ein niedriges KGV wirkt günstig, ein hohes teuer. So einfach ist es nicht. Firmen mit stark wachsenden Gewinnen haben oft ein hohes KGV, weil Anleger künftige Gewinne mitbezahlen. Bei schwankt der Gewinn mit der Konjunktur – dort ist das KGV am Gewinn-Hoch oft am niedrigsten. Ein KGV sagt erst im Vergleich etwas: mit ähnlichen Firmen und mit früheren Jahren.
Die Modellfirma im Zyklus
In der Übung verdient die Firma im Spitzenjahr 4 genau 8 € je Aktie bei einem Kurs von 72 € – KGV 9. Im schwachen Jahr 7 ist es 1 € bei 30 € – KGV 30. Wer nur aufs KGV schaut, liest am Gipfel „billig“ und im Tal „teuer“. Danach fiel der Gewinn vom Gipfel, und aus dem Tal stieg er wieder.
Wachstum einrechnen
Ein KGV von 30 kann zu einer Firma passen, deren Gewinn jedes Jahr um 25 % wächst – und zu teuer sein, wenn das Wachstum ausbleibt. Eine grobe Hilfe ist das PEG: KGV geteilt durch das erwartete Gewinnwachstum in Prozent, hier 30 : 25 = 1,2. Das erwartete Wachstum ist allerdings selbst nur eine Schätzung.
Branchen vergleichen
Versorger und Banken haben oft niedrigere KGVs als schnell wachsende Softwarefirmen, weil Wachstum und Risiko anders sind. Vergleiche deshalb innerhalb einer Branche und mit den eigenen Werten früherer Jahre. Für eine Kauf- oder Verkaufsentscheidung reicht ein KGV allein nicht.